„Las grietas de la masculinidad“ — Marta Jiménez’, Noemí Parras und Josetxu Rivieres Buch über die Krise der Männlichkeit
Eine Studie über männliches Unbehagen, antifeministische Reaktionen und Geschlechterwandel.

Am 9. September 2026 veröffentlichte der spanische Verlag Bellaterra Edicions in seiner akademischen Reihe „Serie General Universitaria“ das spanischsprachige Buch Las grietas de la masculinidad. Hombres, malestar y transformación social (Die Risse der Männlichkeit: Männer, Unbehagen und sozialer Wandel). Das Werk wurde von der Soziologin Marta Esther Jiménez Jaén, der Geschlechterforscherin Noemí Parra Abaúnza und dem Sozialexperten Josetxu Riviere Gómez verfasst.
Marta Esther Jiménez Jaén lehrt Soziologie an der Universität La Laguna auf Teneriffa und forscht zu Bildungssoziologie, Gewerkschaftsbewegungen und Geschlechterverhältnissen. Noemí Parra ist promovierte Genderforscherin, diplomierte Sexologin und Dozentin für Soziale Arbeit an der Universität Las Palmas de Gran Canaria; neben ihrem feministischen Engagement hat sie vielbeachtete Monografien zur Begleitung von Trans-Jugendlichen verfasst. Josetxu Riviere koordiniert seit vielen Jahren Bildungsprogramme bei Berdintasun Proiektuak, die Männer für Gleichstellungsthemen sensibilisieren, und engagiert sich in spanischen und baskischen Netzwerken profeministischer Männer wie der Red de Hombres por la Igualdad und Gizonsare.
Das Buch widmet sich dem Phänomen des männlichen Unbehagens (el malestar masculino), das sich in den vergangenen Jahren zu einem zentralen politischen Kampffeld entwickelt hat. Einerseits hat die gesellschaftliche Legitimität feministischer Forderungen und der Rechte von LSBTIQ+-Personen zugenommen, wodurch sich Familienmodelle, Sexualität und die Verteilung von Sorgearbeit (cuidados) spürbar wandeln. Andererseits formiert sich eine reaktionäre und rechtsextreme Gegenbewegung, die Verunsicherung, Einsamkeit und Orientierungslosigkeit vieler Männer — insbesondere junger Generationen — instrumentalisiert und in antifeministische Ressentiments umlenkt.
Die Autorinnen und der Autor verwenden die Metapher der „Risse“ (grietas), um die Brüchigkeit hegemonialer Männlichkeit zu verdeutlichen. Ein starres patriarchales Rollenbild begründet nicht nur die Unterdrückung von Frauen und queeren Menschen, sondern schadet auch den Männern selbst: Das Tabu von Verletzlichkeit, ein ständiger Leistungsdruck und emotionale Isolation führen zu psychosozialen Krisen, Gewalt und gesundheitlichen Schäden. Die Studie zeichnet nach, wie die traditionelle Sozialisation die Fähigkeit von Männern zu Empathie und egalitären Beziehungen untergräbt.
Die zentrale Schlussfolgerung des Buches lautet, dass die entstandenen Risse nicht den reaktionären Kräften überlassen werden dürfen. Die Forschenden fordern dazu auf, die Krise der männlichen Rolle als Chance für eine tiefgreifende Befreiung zu begreifen: durch das Eingestehen eigener Verwundbarkeit, die Abkehr von Gewalt und die solidarische Verbindung mit feministischen und queeren Bewegungen.






