\"Queere Vergangenheiten in Lateinamerika\" — ein Sammelband von Santiago Joaquín Insausti zur Geschichte der Sexualität im 20. Jahrhundert

Erste Anthologie zur queeren Geschichte Lateinamerikas: Argentinien, Brasilien und Mexiko.

Im Oktober 2024 veröffentlichte der argentinische Verlag Prometeo Editorial den Sammelband “Pasados queer en Latinoamérica: Historias de la sexualidad en el siglo XX” (Queere Vergangenheiten in Lateinamerika: Geschichten der Sexualität im 20. Jahrhundert) auf Spanisch. Herausgeber ist Santiago Joaquín Insausti, argentinischer Soziologe und Doktor der Sozialwissenschaften der Universidad de Buenos Aires. Er ist Forscher am CONICET (Nationaler Rat für wissenschaftliche und technische Forschung Argentiniens), angesiedelt an der Universidad Nacional de General Sarmiento. Zuvor war er Postdoktorand am Instituto de Investigaciones Sociales der Universidad Nacional Autónoma de México (IIS-UNAM) und María-Zambrano-Stipendiat an der Universitat Autònoma de Barcelona.

Nach Angaben des Herausgebers handelt es sich um den ersten Sammelband, der ausschließlich der queeren Geschichte Lateinamerikas gewidmet ist. Die Historiografie hat dieses Thema lange vernachlässigt, aber die Beiträgerinnen und Beiträger zeigen, dass es sich nicht um ein Randthema handelt: Die Neubewertung von Sexualität und Geschlecht in der Vergangenheit eröffnet die Möglichkeit, die politische, soziale und kulturelle Geschichte der gesamten Region neu zu schreiben.

Der Band vereint Forschende aus Argentinien, Brasilien, Mexiko, den USA und Spanien. Das Vorwort stammt von James N. Green, Historiker an der Brown University und Pionier der LGBT-Geschichtsforschung in Lateinamerika. Unter den Beiträgern ist Pablo Ben, Professor und Leiter des Fachbereichs Geschichte an der San Diego State University, ein Spezialist für die Geschichte der Sexualität in Argentinien und Lateinamerika.

Thematisch deckt der Band ein breites Spektrum an Themen zu drei Ländern ab: Argentinien, Brasilien und Mexiko. Die Autorinnen und Autoren untersuchen afroamerikanische Religionen und ihren Bezug zur Sexualität, LGBT-Räume in lateinamerikanischen Städten, staatliche Repression gegen sexuelle Minderheiten unter den Diktaturen des Südkegels, Bewegungen zur sexuellen Befreiung, queeren Aktivismus während Argentiniens demokratischen Übergangs sowie die Geschichte des Homoerotismus und der Homosexualität im Mexiko des 20. Jahrhunderts.

Ein erklärtes Ziel des Bandes ist es, die queere Geschichte Lateinamerikas zugänglicher zu machen: durch die Übersetzung der Arbeiten lusophoner Forschender und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Globalen Nordens ins Spanische soll ein breiteres spanischsprachiges Publikum erreicht und die Institutionalisierung der Sexualitätsgeschichte als akademische Disziplin in der Region gefördert werden.