«Sadistic Cholas» — Olga Rodriguez-Ulloas Buch über die Neuaneignung eines rassistischen Stereotyps im gegenwärtigen Peru
Eine Monografie darüber, wie peruanische Transfeministen die Figur der Chola neu aneignen.
Am 16. Juni 2026 erschien bei University of Texas Press die akademische Monografie Sadistic Cholas: Transfeminist Provocations in Contemporary Peru der amerikanischen Wissenschaftlerin Olga Rodriguez-Ulloa. Das Buch untersucht die Geschichte des rassistischen Stereotyps der Chola in Peru und analysiert, wie zeitgenössische Künstler·innen, Aktivist·innen und queere Performer·innen diese Figur als Instrument des Widerstands neu aneignen.
Das Wort chola wurde in Peru historisch als abwertende Bezeichnung für Frauen gemischter indigener und afrikanischer Herkunft verwendet. In der Kolonialzeit prägte dieser Begriff das Bild einer „sittenlose Heidin" — gefährlich, unkontrollierbar, außerhalb akzeptierter gesellschaftlicher Normen lebend. Trotz seiner erniedrigenden Ursprünge wurde das Wort im gegenwärtigen Peru von jenen zurückgefordert, gegen die es ursprünglich gerichtet war. Sängerinnen, Künstlerinnen, Schriftstellerinnen und queere Performer·innen verwandeln die Figur der „wütenden Chola" in eine Form politischer Aussage und Basisaktivismus.
Das Buch zeichnet diese Transformation durch Musik, bildende Kunst, Literatur und die Organisationsarbeit von Gemeinschaftsgruppen nach. Die Autorin analysiert, wie die Aneignung des Stereotyps von innen heraus — durch schwarze Frauen und Transfeministen — gleichzeitig zu einer Form der Selbstverteidigung, der Rache und einer Politik der Fürsorge wird, die ohne das Ziel physischer Gewalt auskommt.
Olga Rodriguez-Ulloa ist Assistenzprofessorin für American Studies und Latino Studies an der Indiana University Bloomington. Sie promovierte 2014 in lateinamerikanischen und iberischen Kulturen an der Columbia University. Ihre Forschungsinteressen umfassen Rassentheorie, feministische Theorie, indigene Andenstudien, afro-lateinamerikanische Kultur, visuelle Künste und populäre Musik. Zuvor war sie Mitherausgeberin des Sammelbands Punk! Las Américas Edition (Intellect Books, 2021).
Transfeminismus ist eine Strömung des Feminismus, die auf der Einbeziehung von Transfrauen in den feministischen Diskurs besteht und die Wechselwirkung verschiedener Formen der Unterdrückung anerkennt. Im Kontext Perus, wo tiefe rassistische und Klassenungleichheit fortbesteht, bietet eine transfeministische Lesart der Neuaneignung rassistischer Stereotype einen spezifischen Blickwinkel auf das koloniale Erbe und seine gegenwärtigen Folgen.
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