„Scapegoat“ — Elias Sharps Buch über die politische Dämonisierung von Trans-Personen in den USA
Analyse moralischer Panik und der politischen Stigmatisierung von Trans-Personen in den USA.

Am 15. September 2026 veröffentlichte der US-amerikanische Verlag Desert Light Press das englischsprachige Sachbuch Scapegoat: Why America Made Trans People The Villain („Sündenbock: Warum Amerika Trans-Menschen zu Bösewichten machte“). Verfasst wurde das Werk von dem US-amerikanischen Autor, Publizisten und Aktivisten S. Elias W. Sharp. Das Vorwort steuerte der Bürgerrechtswissenschaftler Jamison Green bei, ergänzt durch Beiträge des Autors Thomas Beatie.
Elias Sharp arbeitet als Kulturkritiker zu Fragen gesellschaftlicher Macht, Diskriminierung und Identität. Zuvor veröffentlichte er die Autobiografie Dreams Are For The Dead, in der er für eine Entstigmatisierung suchtkranker Menschen und den Abbau sozialer Vorurteile plädierte. Sharp lebt im Mittleren Westen der USA und kooperiert mit Bildungs- und Archivzentren wie dem Stonewall National Museum, Archives & Library in Florida. Die Mitwirkenden des Buches besitzen herausragende Bedeutung in der Queer-Bewegung: Jamison Green leitete jahrelang die World Professional Association for Transgender Health (WPATH) sowie FTM International, während Thomas Beatie Ende der 2000er Jahre mit seinen Memoiren Labor of Love weltweite Bekanntheit erlangte und Diskurse über Trans-Vaterschaft und reproduktive Selbstbestimmung revolutionierte.
Das Buch untersucht, wie trans- und nicht-binäre Menschen in den Vereinigten Staaten ins Zentrum eines künstlich geschürten „Kulturkampfes“ (culture war) gerieten. Sharp argumentiert, dass die politischen Debatten über geschlechtsangleichende Behandlungen und restriktive Gesetzesinitiativen keineswegs dem Kindeswohl oder medizinischen Standards dienen, wie konservative Kreise vorgeben. Vielmehr handele es sich um eine gezielte wahlpolitische Kampagne und ein politökonomisches Ablenkungsmanöver, um konservative Wählerblöcke zu mobilisieren und die Öffentlichkeit von strukturellen Krisen wie der Unterfinanzierung öffentlicher Schulen, stagnierenden Reallöhnen, unbezahlbarer Gesundheitsversorgung und ausuferndem Konzernlobbyismus abzulenken.
Den analytischen Schwerpunkt bildet das soziologische Phänomen der moralischen Panik (moral panic). Sharp zeichnet deren Entstehungszyklus detailliert nach: von der theoretischen Fabrikation in konservativen Denkfabriken über die mediale Zuspitzung in rechten Netzwerken bis zur Etablierung von Feindbildern als scheinbarem „gesunden Menschenverstand“. Er ordnet die gegenwärtige Kampagne in eine lange US-amerikanische Tradition politischer Sündenböcke ein, die von der Kriminalisierung der Bürgerrechtsbewegung über das rassistische Feindbild der „Welfare Queen“ in der Reagan-Ära bis zu den Verleumdungskampagnen gegen homosexuelle Lehrkräfte in den 1970er und 1980er Jahren reicht.
Sharp warnt eindringlich davor, dass die systematische Konstruktion von Feindbildern nicht nur die betroffene Minderheit schädigt, sondern das demokratische Gemeinwesen zersetzt. Die institutionelle Aushebelung von Bürgerrechten und staatliche Eingriffe in die Privatautonomie schaffen gefährliche Präzedenzfälle, die langfristig den Rechtsschutz aller Bürger bedrohen.






