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Italienischer Jesuiten-Theologe Paolo Gamberini bezeichnet Homosexualität als Schöpfungswillen Gottes und nicht als Fehler

Am 25. September 2026 griff die US-amerikanische katholische Organisation New Ways Ministry einen theologischen Beitrag des italienischen Jesuitenpaters und Theologieprofessors Paolo Gamberini auf, der zuvor vom italienischen christlichen LGBTQ+-Portal Progetto Gionata veröffentlicht worden war. Laut dem Bericht von New Ways Ministry vertritt der Theologe die These, dass die homosexuelle Orientierung weder auf Sünde, Defizite noch auf einen Fehler der Natur zurückzuführen sei, sondern als Ausdruck des „schöpferischen Überflusses Gottes“ (sovrabbondanza creativa di Dio) und als Teil des göttlichen Schöpfungsplans verstanden werden könne.

Gamberini, Inhaber des Donald-I.-MacLean-S.J.-Lehrstuhls für Theologie an der Saint Joseph’s University in Philadelphia und früherer Dogmatikprofessor in Neapel, betonte, dass traditionelle theologische und kirchliche Erklärungsversuche der Homosexualität von einer voreingenommenen Prämisse ausgingen. Oftmals werde Homosexualität von vornherein als Anomalie gegenüber einer vermeintlich selbstverständlichen Norm betrachtet, was die Suche nach negativen Ursachen wie Sünde, seelischen Verletzungen oder biologischen Störungen nach sich ziehe.

Der Jesuit weist jedoch auf eine methodische Grenze hin: Die Theologie verfüge über keinerlei methodische Instrumente, um einen kausalen Zusammenhang zwischen der dogmatischen Kategorie der Sünde und einer existenziellen Verfassung herzustellen, die nicht auf einer bewussten Wahl beruhe. Zudem hätten Human- und Naturwissenschaften wie Psychologie und Biologie die Annahme widerlegt, dass die sexuelle Orientierung das Produkt familiärer Fehlentwicklungen sei. Damit entfalle, so Gamberini, die rationale Grundlage, Homosexualität als Krankheit, Schuld oder Mangel zu deuten.

Statt nach Defiziten zu suchen, regt der Theologe an, die biblische Schöpfungstheologie heranzuziehen. Im ersten Schöpfungsbericht der Genesis werde die Welt nicht als monotone Ordnung beschrieben, sondern als Vielfalt von Arten und Lebensformen („nach ihrer Art“), über die Gott urteilte: „Und siehe, es war sehr gut“. Wenn die Schöpfung insgesamt einer Logik gesegneter Vielfalt folge, sei es theologisch plausibel anzunehmen, dass auch die Vielfalt menschlicher Sexualität die schöpferische Fülle Gottes widerspiegle. Gamberini betont, kein dogmatisches Urteil zu fällen, sondern eine theologische Hypothese zu formulieren, die auf dem Grundsatz beruht: Was nicht als Unordnung (disordine) nachgewiesen werden kann, darf nicht a priori als solche vorausgesetzt werden.

Die offizielle Lehre der römisch-katholischen Kirche, wie sie im Katechismus dargelegt ist, unterscheidet zwischen Neigung und Handlung: Homosexuelle Handlungen gelten als „in sich nicht in Ordnung“ und naturrechtswidrig, die Neigung selbst als „objektiv ungeordnet“, wenngleich der Katechismus verlangt, Betroffenen mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Konservative Theologen halten an dieser Lehrmeinung fest und verweisen auf die eheliche Komplementarität von Mann und Frau. Gleichzeitig fordern reformorientierte Theologinnen und Seelsorger, gestärkt durch den synodalen Prozess unter Papst Franziskus, ein Überdenken traditioneller Formulierungen und eine echte Öffnung der Kirche gegenüber queeren Gläubigen.

Das italienische Portal Progetto Gionata („Projekt Jonatan“) besteht seit 2007 als Informations- und Dialogplattform für christliche LGBTQ+-Gruppen in Italien, deren Angehörige und Seelsorger. Die US-Organisation New Ways Ministry wurde 1977 von Schwester Jeannine Gramick und Pater Robert Nugent gegründet und setzt sich seit fast fünf Jahrzehnten für die pastorale Begleitung und Gleichberechtigung queerer Katholiken ein.

Zuvor hatte „Uránia“ darüber berichtet, dass Bischof Francesco Savino, Vizepräsident der Italienischen Bischofskonferenz, bei einer Tagung in Rom die Wiederherstellung der Würde queerer Katholiken und die Überwindung ihrer Ausgrenzung gefordert hatte.

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