US-Finanzminister Scott Bessent: Trump wählte mich wegen meiner Kompetenz, nicht wegen meiner Sexualität

US-Finanzminister Scott Bessent hat erklärt, dass seine sexuelle Orientierung bei seiner Ernennung durch Präsident Donald Trump keine Rolle gespielt habe. Dies betonte der 64-jährige Kabinettschef in einem Gespräch mit Axios-Mitgründer Mike Allen, über das die LGBTQ+-Nachrichtenportale Washington Blade und LGBTQ Nation berichteten. Im historischen „Cash Room“ des Finanzministeriums in Washington, D.C., hob Bessent während des über 40-minütigen Interviews hervor, dass für den Präsidenten Leistungsfähigkeit und Fachwissen an erster Stelle stünden, und gab persönliche Einblicke in seinen Werdegang.
Bessent schilderte, dass Präsident Trump seiner offenen Homosexualität oft mit wohlwollendem Humor begegne. So scherze der Präsident gelegentlich über Bekannte der First Lady: „Er sagt mir ab und zu: ‚Du brichst Melanias Freundinnen das Herz. Sie sehen dich im Fernsehen, wollen dich kennenlernen, und wir müssen ihnen die Wahrheit sagen!‘“ Bessent betonte, dass seine sexuelle Orientierung in der Regierung keinerlei Hürde darstelle: „Der Präsident hat mich ausgewählt, weil er mich für den besten Kandidaten hält – nicht wegen meiner sexuellen Präferenz oder meiner grünen Augen. Es zeichnet Donald Trump aus, dass er Menschen in erster Linie als Menschen und Persönlichkeiten sieht.“
Zudem blickte Bessent auf seinen Lebensweg zurück. 1979 hatte er als junger Mann darauf verzichtet, sich an der US-Marineakademie einzuschreiben, da homosexuellen Männern der Dienst in den Streitkräften damals gesetzlich verwehrt war. Stattdessen schloss er 1984 sein Studium an der Yale University ab und etablierte sich als erfolgreicher Fondsmanager an der Wall Street. „Wenn mir 1984, auf dem Höhepunkt der AIDS-Krise, jemand gesagt hätte, dass ich dreißig Jahre später legal verheiratet sein und zwei Kinder großziehen würde, hätte ich es nicht geglaubt“, sagte der Minister. Seit 2011 ist Bessent mit dem ehemaligen New Yorker Staatsanwalt John Freeman verheiratet; das Paar hat einen Sohn und eine Tochter, die durch Leihmutterschaft geboren wurden.
Bessents Bestätigung markiert einen historischen Meilenstein: Er ist der erste offen homosexuelle Kabinettsminister in einer republikanischen US-Regierung, der vom Senat bestätigt wurde, und der ranghöchste LGBTQ+-Beamte in der Geschichte der Vereinigten Staaten, da er an fünfter Stelle der präsidialen Nachfolgelinie steht. Seine Rolle wird kontrovers diskutiert: Während konservative Beobachter den Vorrang fachlicher Qualifikationen gegenüber Proporzregelungen loben, kritisieren Bürgerrechtsgruppen Trumps bundespolitische Entscheidungen, darunter Beschränkungen medizinischer Behandlungen für trans Jugendliche und Änderungen im Schulrecht.
Das 1789 gegründete US-Finanzministerium gehört zu den ältesten Bundesbehörden des Landes. Der Finanzminister steuert die Steuer-, Währungs- und Sanktionspolitik, verwaltet die Bundesschuld und dient als ranghöchster wirtschaftspolitischer Berater des US-Präsidenten.
Zuvor hatte Urania wiederholt über Entwicklungen unter US-amerikanischen LGB-Konservativen berichtet, etwa über die Wahlempfehlungen der Log Cabin Republicans für den US-Kongress sowie über die Entscheidung der Vereinigung, ihren programmatischen Schwerpunkt auf die Rechte von Schwulen und Lesben zu verlegen.


