US-Recherchen belegen: Meta vergütete Dutzende reichweitenstarke Accounts mit Anti-LGBT-Inhalten

Im Oktober 2026 hat eine gemeinsame Recherche des Rechercheprojekts Uncloseted Media und des gemeinnützigen Mediums The 19th aufgedeckt, dass der US-Technologiekonzern Meta mindestens 29 reichweitenstarke Accounts mit einer Vorgeschichte aggressiver Anti-LGBT-Rhetorik in sein geschlossenes Vergütungsprogramm Facebook Content Monetization aufgenommen und für Interaktionen direkt bezahlt hat.
Wie das US-Fachportal Washington Blade unter Berufung auf den Bericht meldet, erfolgte die Identifizierung anhand von Offenlegungsdaten des Meta Monetization Archive der niederländischen Tech-Aufsichtsorganisation What To Fix (WTF). Zu den monetarisierten Profilen zählen unter anderem Chaya Raichiks Kanal Libs of TikTok, der konservative Publizist Benny Johnson, Webcomic-Zeichner StoneToss, Podcasterin Candace Owens, die Jugendorganisation Turning Point USA sowie die Kommentatoren Tucker Carlson und Jack Posobiec. Die Recherchen belegen Auszahlungen für Beiträge mit Angriffen auf Transgender-Personen, Vorwürfen der „Indoktrinierung von Kindern“ gegen queere Lehrkräfte und Verschwörungsmythen über Wahlfälschungen.
Bürgerrechtsorganisationen und Digitalpolitik-Experten warnten vor den Gefahren eines Modells, das polarisierende Inhalte kurz vor den US-Kongresswahlen finanziell belohnt. Courtney Radsch, Leiterin des Center for Media and Digital Governance am Open Markets Institute, mahnte, dass die algorithmische Verbreitung und Honorierung von Hetze und Falschmeldungen demokratische Kontrollmechanismen beschädige. Jason Hong, Informatikprofessor an der Carnegie Mellon University, gab zu bedenken, dass stark polarisierende Beiträge das meiste Nutzerengagement erzeugen und dem Konzern ungeachtet öffentlicher Leitbilder verlässliche Werbeeinnahmen sichern.
Die Richtlinien von Facebook verbieten eigentlich die Monetarisierung von Inhalten, die gesellschaftlich kontroverse Themen — darunter sexuelle Orientierung, Religion und ethnische Herkunft — in herabwürdigender oder spalterischer Weise behandeln, und schließen politische Parteien aus. Dennoch dokumentierte What To Fix hunderte politische Seiten im Programm, darunter offizielle Landesverbände der Republikanischen Partei. Zudem heben Beobachter hervor, dass Meta nach dem Ausstieg aus Partnerschaften mit unabhängigen Faktenprüfern kaum über transparente Kontrollinstrumente gegen Desinformation verfügt. Das Unternehmen reagierte nicht auf Presseanfragen.
Das 2024 eingeführte Programm Facebook Content Monetization bündelt Vergütungen für Autoren, um angesichts jüngerer Konkurrenzplattformen die Nutzeraktivität auf Facebook zu stärken. Anstelle direkter Werbedeals erhalten Ersteller Ausschüttungen direkt aus dem zentralen Werbetopf des Konzerns auf Grundlage erzielter Reichweiten.
Zuvor berichtete Uránia wiederholt über medienpolitische Spannungen im US-Wahlkampf, darunter über die Forderungen der Bürgerrechtsorganisation Human Rights Campaign (HRC) an die Demokratische Partei, Vorwürfe gegen Senator Ed Markey wegen Diversitätsvorgaben bei Praktika und die Klage leitender TV-Redakteure in Michigan wegen interner Vorgaben zur Pride-Berichterstattung.


