Warum schwule Männer in Deutschland die AfD wählen

Ergebnisse einer Umfrage der schwulen Dating-App Romeo.

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Warum schwule Männer in Deutschland die AfD wählen

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat unter den Nutzern von Romeo — einer Dating-Plattform für schwule und bisexuelle Männer — die höchste Zustimmung erhalten. An der Umfrage, die vom 24. Januar bis zum 2. Februar lief, beteiligten sich mehr als 60 000 Teilnehmer, die ihre Präferenzen für die Bundestagswahl angaben. 27,9 % sprachen sich für die AfD aus. Mit deutlichem Abstand folgten die Grünen mit 19,9 %, die CDU mit 17,6 % und die SPD mit 12,5 %.

Am stärksten schnitt die AfD bei jungen Wählern ab. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen unterstützten 34,7 % der Befragten die Partei. Die Linke erreichte in derselben Altersgruppe 19,2 %. Die traditionellen Parteien der politischen Mitte waren hier schwächer vertreten.

In der Altersgruppe 25–39 hielt die AfD ebenfalls ein hohes Ergebnis — 32,3 %. Bei älteren Wählern verschoben sich die Präferenzen in Richtung CDU/CSU und SPD.

Die Umfrage kann nicht als vollständig repräsentativ und wissenschaftlich gelten. Dennoch wirft sie die Frage auf, was genau die AfD für einen Teil der Schwulen attraktiv macht und warum manche nicht nur für sie stimmen, sondern auch in die Partei eintreten.

Warum ein Teil der Schwulen die AfD wählt

In der AfD gibt es offen schwule Politiker neben der weithin bekannten Alice Weidel. Dazu gehören Kay Gottschalk und Sven Tritschler sowie der Historiker Alexander Tassis, der für die Partei in einem Potsdamer Wahlkreis kandidierte. Er wurde 1970 in Athen als Sohn eines Griechen und einer Deutschen geboren und zog später nach Deutschland. Als Schwuler und Mensch mit Migrationsgeschichte wurde er ein aktiver Unterstützer der AfD.

„Während rechte Nationalisten und Radikale wie Björn Höcke offen homophob sind, gibt es in der AfD Aktivisten und Gruppen, die ihre Homosexualität nicht verbergen. Schwul zu sein und rechte Ansichten zu vertreten — das schließt sich nicht gegenseitig aus."

die Politikwissenschaftlerin Katharina Hajek

Katharina Hajek betont, dass die AfD kein monolithischer Block ist. Innerhalb der Partei existieren verschiedene Strömungen. Einerseits propagiert sie traditionelle Familienwerte. Andererseits lässt sie unterschiedliche Lebensentwürfe zu. Gleichzeitig enthält das Parteiprogramm keine so klar formulierte Politik in Bezug auf LGBT wie bei den Grünen oder der Linken.

Homonationalismus

Hajek weist auch darauf hin, dass die AfD nach den Ereignissen der Kölner Silvesternacht 2015, als Migranten in massenhafte Übergriffe auf Frauen verwickelt waren, sich teilweise als Verteidigerin von LGBT-Rechten im Kontext der öffentlichen Sicherheit positionierte. Die Logik dieser Position lautet, dass Frauenfeindlichkeit, sexuelle Gewalt und Homophobie angeblich vor allem von Migranten aus muslimisch geprägten Ländern nach Deutschland gebracht worden seien. Daraus folgen Forderungen nach einer Verschärfung der Einwanderungspolitik und der Abschiebung derjenigen, die als Bedrohung angesehen werden.

Für einen Teil der Wähler stehen gerade die LGBT-Rechte an erster Stelle. Allerdings zeigen die Umfrageergebnisse, dass ein erheblicher Anteil der Schwulen und Lesben andere politische Fragen in den Vordergrund stellt.

Im Berliner „Regenbogenkiez" rund um den Nollendorfplatz, bekannt für seine Schwulenbars und -kneipen, gehören Übergriffe auf LGBT-Personen nach wie vor zum Alltag. Die Zeitung Berliner Tagesspiegel schrieb bereits 2009, dass „die Täter häufig Migranten sind".

Die Preußische Allgemeine Zeitung behauptet, dass sich an der Situation seither grundsätzlich nichts geändert habe. Ihrem Bericht zufolge werden die Gewalttaten in diesem Viertel am häufigsten von jungen Menschen mit Migrationsgeschichte verübt, die in einem konservativen Umfeld aufgewachsen sind. Daraus wird geschlossen, dass die Opfer solcher Übergriffe nicht selten kritisch gegenüber Befürwortern unkontrollierter Zuwanderung eingestellt sind.

Andere Medien schreiben jedoch, dass dieses Bild nicht der Wirklichkeit entspricht. Nach Angaben der Polizei wurden 2021 insgesamt 1 051 Hassverbrechen gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und intergeschlechtliche Personen registriert. Davon wurden nur 20 von Ausländern begangen.

In Foren und sozialen Medien beschreiben schwule AfD-Anhänger ihre eigenen Erfahrungen und bezeichnen die Angreifer als „Frauenfeinde und Homophobe aus dem Globalen Süden". Sie sprechen auch von einem „Hass auf alles Männliche und Deutsche" und nennen sich „schwule Patrioten".

Das Medium zdfheute zitiert einen Schwulen, der die AfD unterstützt:

„Mich haben nie Rechte oder Deutsche angegriffen, aber Araber, Türken und Flüchtlinge. Ich denke, Sie können sich denken, dass ich schwul bin. Und genau diese Gruppe von Menschen hat ein Problem mit meiner Sexualität."

— aus einem Interview eines homosexuellen AfD-Anhängers, zitiert in einem Beitrag von zdfheute

Für viele schwule AfD-Anhänger ist nicht die Haltung der Partei zu LGBT-Rechten ausschlaggebend. Entscheidend ist etwas anderes: Sie sind davon überzeugt, dass gerade diese Partei sie besser als andere vor den Bedrohungen schützen kann, die sie als die gravierendsten ansehen.

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